Nominee
Learning & Teaching
Design
Das Paket bestehend aus drei Seminaren, die im Lehrdiplom für Maturitätsschulen angeboten werden, bündelt Expertise und Praxisbezug zum Thema ausserschulische Lernorte und Unterricht im Freien. Die anwendungsorientierte Ausbildung kulminiert jeweils in einem Outdoor Wochenende in Bremgarten an der Reuss, wo die vielfältigen Outdoor-Projekte durchgeführt und auf ihre Praxistauglichkeit überprüft werden. Die Lehrveranstaltungen erfüllen in exzellenter Weise die strategischen Ziele der ETH wie PAKETH, das Kompetenzraster und die Vision Lehre 2040.
Implementation of the Course
Unsere Lehre verbindet Fachunterricht im Freien mit Erkenntnissen der Outdoor Education. Unsere drei Seminare basieren auf theoretischen Grundlagen der Lernforschung und Erlebnispädagogik, unmittelbarer Anwendungsnähe und authentischem Projektbasierten Lernen.
Die Seminare umfassen vorbereitende Treffen im Klassenzimmer, je ein projektbasiertes Outdoor-Wochenende sowie eine Feedback- und Reflexionssitzung. Unser Unterrichtsmodell kombiniert die Prinzipien der Freiheit und des selbstgesteuerten Lernens mit Anleitung und Unterstützung (Scaffolding). Die Studierenden entwickeln in Gruppen ein Outdoor Projekt, reflektieren dieses kontinuierlich und berichten den Dozenten regelmäßig über den aktuellen Stand. Wir übertragen ihnen gleichzeitig genügend Verantwortung, um den Erfolg des Wochenendes und ihrer Projekte sicherzustellen.
Wir stellen den Studierenden zwar Leitfragen, um sie auf mögliche Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, bieten ihnen jedoch nicht unbedingt direkt Alternativen oder Lösungen für Herausforderungen, denen sie während des Wochenendes begegnen könnten. Das heißt, es ist auch möglich, dass eine Unterrichtseinheit, die die Studierenden für das Wochenende erstellt haben, scheitert. Wir betrachten solche Misserfolge als wertvoll und produktiv für das Lernen, d. h. die Möglichkeit des Scheiterns ist ein Gestaltungsmerkmal des Kurses (vgl. productive failure). Das Lernen durch das Erleben von Herausforderungen oder sogar Fehlern hat ein hohes Potenzial, wertvolle und nachhaltige Lernerfahrungen zu vermitteln, wenn die Lernenden dazu angeregt werden, über Herausforderungen, Misserfolge und Erfolge nachzudenken. Wir stellen jedoch sicher, dass die Studierenden in Bezug auf Sicherheitsfragen nicht scheitern.
Das Outdoor-Wochenende an der Reuss bei Bremgarten umfasst neben der Durchführung der Projekte im Freien auch die Ebene der Lagerorganisation (Verantwortung für Essen, Entsorgung, Finanzen, Sicherheit). Dadurch erhalten die angehenden Lehrpersonen wertvolle Kompetenzen für den schulischen Alltag. Teil des Wochenendes ist auch ein Flusschwimmen in der Reuss unter Sicherheitseinweisung und mit Ausrüstung wie Schwimmweste und Helm, um die Herausforderungen eines schnell fliessenden Gewässers kennen zu lernen.
Die letzte Sitzung des Kurses findet nach dem Wochenende statt. Um den Transfer von draußen nach drinnen zu ermöglichen, präsentieren die Studierenden zunächst ihre eigenen Reflexionen zu ihrer Unterrichtseinheit. Dann geben ihre Kommilitonen Feedback und schließlich äußern wir unsere Beobachtungen und Verbesserungsvorschläge. Als (nicht benotete) summative Bewertung reichen die Studierenden einen Aufsatz ein, in dem sie ihre Unterrichtseinheit und ihre Reflexionen zusammenfassen. Wir geben Feedback zu diesen Aufsätzen.
Es ist erfreulich zu beobachten, wie die Studierenden interdisziplinäre Unterrichtseinheiten im Freien gestalten und wie alle Studierenden diese Erfahrung als sinnvoll empfinden.
Motivation, Project Mission, Vision Statement
Sportausbildung und ausgewählte Themen in den Naturwissenschaften werden auf gymnasialer Stufe vermehrt ausserhalb der Turnhalle oder des Klassenzimmers vermittelt – etwa im Rahmen von Projektwochen, Forschungswochen, Lagerveranstaltungen, Blockkursen im Rahmen von Ergänzungsfächern oder Exkursionen. Um solche sogenannten ausserschulische Lerngelegenheiten lernwirksam zu gestalten, bieten sich erlebnispädagogische Ansätze und Projektbasiertes Lernen an. Wir bereiten angehende Lehrpersonen darauf vor, projektbasierte Outdoor Projekte mit ihren Schüler*innen durchzuführen.
Ein zentraler Gedanke, den wir den Studierenden bereits zu Beginn nahebringen, ist, dass die Natur keine Fächergrenzen kennt. Daher nimmt Interdisziplinarität in den Kursen einen besonders hohen Stellenwert ein.
Wir bieten die Seminare seit über zehn Jahren erfolgreich an (2011 bzw. 2013) so dass sie langfristig in die Lehrpersonenausbildung an der ETH integriert sind. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Kurse und die Integration von Feedback sichern eine nachhaltige Qualität. Auch für Zukunftsmissionen der ETH ist das Format ausgerichtet: Durch die frühzeitige Planung und die Durchführung am Outdoor-Wochenende wird der Workload ausgewogen, im Einklang mit der PAKETH-Philosophie, die eine stärkere Integration von Leistungsnachweisen in das Semester vorsieht.
Innovative Elements
Die Seminare verbinden authentisches, projektbasiertes Lernen mit Outdoor Education und bereiten angehende Lehrpersonen praxisnah auf aktuelle Herausforderungen im Schulalltag vor. Durch die Kombination von realen Projekten, eigenverantwortlicher Organisation und direkter Anwendung wird ein innovatives Lehr-Lern-Format geschaffen, das weit über klassische Seminarmethoden hinausgeht. Die hohe Motivation und aktive Beteiligung der Studierenden, die unmittelbare Anwendung der erarbeiteten Unterrichtseinheiten sowie die Übertragbarkeit auf den späteren Berufsalltag belegen die Wirksamkeit des Seminars. Schliesslich finden Outdooraktivitäten in einem anspruchsvollen psychosozialen Kontext statt, der Lehrpersonen und Schüler*innen hinsichtlich eines adäquaten Classroommanagements besonders fordert und fördert.
Effects on Student Learning
Die resultierenden Projekte zeugen von Ernsthaftigkeit, Interdisziplinarität, Vielfalt und Kreativität. Unsere Kurse erhalten sehr positives Feedback. Den Studierenden gefällt die aktive Beteiligung an der Gestaltung. Die Outdoor Wochenenden werden als etwas völlig anderes empfunden als bisherige Veranstaltungen. Die Studierenden äussern sich positiv überrascht, wie offen und spannend Outdoor Education sein kann. Darüber hinaus äußern sie sich zufrieden mit dem Feedback, das sie von uns erhalten. Viele Studierende heben die positive Erfahrung des Flussschwimmens und das Erlebnis mit den PET-Flaschenbooten (EW Sport) hervor und beschreiben diese als spannende, professionell geleitete und für ihren späteren Unterricht wertvolle Erfahrungen. Aus Erfahrungsberichten von heute berutstätigen Lehrpersonen wissen wir, dass mittlerweile ähnliche Projekte im Schulalltag realisiert werden (siehe Quelle Benkler).
Which Elements of Your Project Would You Recommend to Others?
Der interdisziplinäre Ansatz mit Projekten aus der Physik, Informatik, Geographie, Biologie, Chemie, Mathematik und Sport verdeutlicht die Transferierbarkeit auf ein breites Themenspektrum. Zwei Elemente würden wir anderen gern ans Herz legen: Projektbasiertes Lernen und die Möglichkeit zu Scheitern. Die Möglichkeit, ihre eigene Unterrichtseinheit zu konzipieren und durchzuführen sowie die Logistik für das Wochenende zu organisieren, gewährt den Studierenden ein hohes Maß an Autonomie, Kompetenzerleben und Identifikation. Dies ist eine zentrale Motivation (s. auch Self-Determination Theorie).